Abt Martinovits und die Jakobinerverschwörung:

Ein Geheimagent als revolutionärer Märtyrer

(oder das tragische Ende unseres bekanntesten Vorfahren)


Am Mittwoch, dem 20. Mai 1795, in den frühen Morgenstunden rumpelten fünf hölzerne Karren, gezogen von jeweils vier Pferden, zur Generalswiese unterhalb der königlichen Burg in Buda (Anm: heute Budapest). Sie brachten die vier Anführer (die sogenannten "Direktoren") und den Gründer der Jakobinerbewegung und Hauptangeklagten, Titularabt Ignác Martinovits, zum Schafott. Die Karren wurden so aufgestellt, dass die zum Tode Verurteilten die Enthauptung ihrer Kameraden nicht sehen konnten. Einzig Martinovits musste bei der Hinrichtung seiner Mitverschwörer, deren Beginn auf halb sieben Uhr anberaumt war, zuschauen.

Als erster beugte sich Graf Sigray über den Block. Doch der Henker brauchte drei Versuche, um den Kopf des jungen Grafen vom Rumpf zu trennen. Dann folgten Ferenc Szentmarjay, von Adel auch er, János Laczkovics, ein ehemaliger Husarenhauptmann, der fünf Jahre zuvor vom Reichstag in einem Gesuch mit anderen Offizieren die Einführung des Ungarischen als Kommandosprache und die Zuteilung von ungarischen Offizieren an ungarische Regimenter verlangt hatte, und schliesslich der frühere Vizegespan, der Jurist Josef Hajnóczy, der bereits seit Jahren kritische Schriften über die Unhaltbarkeit der ungarischen Zustände verfasst hatte. Der 40jährige Martinovits bekam einen epilleptischen Anfall, als man ihn auf das Schafott zerrte. Das abstossende Schauspiel erreichte seinen bizarren Höhepunkt, als die Scharfrichter Martinovits' Schriften feierlich verbrannten. Dem grausigen Spektakel wohnten mehrere hundert Schaulustige bei. Die Leichen wurden an einem geheimen Ort verscharrt.

(aus: Paul Lendvai: "Die Ungarn - Ein Jahrtausend Sieger in Niederlagen", C. Bertelsmann, Gütersloh)


http://www.martinovits.ch/abt_martinovits.html
letzte Aenderung: 28.06.2002

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